Erzbischöfe aus Syrien und Libanon in Wien: "Helft uns"
Situation der Christen im Nahen Osten noch nie so schlecht wie heute - Ein Drittel der syrischen Christen bereits geflüchtet,
Die internationale Politik darf dem Blutvergießen in Syrien nicht
länger tatenlos zusehen. "Helft uns, dass wir die Hoffnung nicht
verlieren". Mit diesem eindringlichen Appell forderten der chaldäische
Erzbischof von Aleppo, Antoine Audo, und der maronitische Erzbischof von
Beirut, Boulos Matar, die internationale Gemeinschaft auf, dem
Bürgerkrieg in Syrien endlich ein Ende zu setzen. Im Rahmen des 4.
"Colloquium Syriacum" der Stiftung Pro Oriente referierten die beiden
Erzbischöfe am Mittwoch über die Situation der Christen in ihren
Heimatländern. Noch nie sei deren Lage im Nahen Osten so schlecht wie
heute.
Erzbischof
Audo berichtete, dass die syrische Bevölkerung nach knapp drei Jahren
des Bürgerkriegs müde sei, gleichzeitig würde die Hoffnung auf Frieden
von Tag zu Tag weiter schwinden. Bisher seien tausende Christen durch
den Krieg in seinem Heimatland ums Leben gekommen. Die Entführung
schutzloser Christen durch die Rebellen seien mittlerweile eine gängige
Praxis, um Geld für Waffen und Munition zu erpressen. In seiner
Heimatstadt Aleppo würde mit der Zeit eine christliche Familie nach der
anderen verschwinden - entweder weil sie fliehen oder weil sie sterben,
so der chaldäische Erzbischof.
Der Krieg in Syrien richte sich
zwar nicht explizit gegen die christliche Bevölkerung, sie sei der
Gewalt allerdings schutzlos ausgeliefert, da der Staat seiner Rolle als
Schutzmacht im derzeitigen Zustand der Anarchie nicht mehr nachkommen
könne. Ein Drittel aller syrischen Christen sei bereits aus dem Land
geflohen. "Wer das nötige Geld hat, der flieht", so Audo. Daraus ergebe
sich eine prekäre Situation, denn viele Ärzte hätten das Land bereits
verlassen, so dass die medizinische Versorgung der Bürgerkriegsopfer vor
allem in den ländlichen Bereichen nicht mehr gegeben sei. Als Beispiel
nannte der Erzbischof seine Heimatstadt, in der seit dem Ausbruch des
Bürgerkriegs bereits 80 christliche Ärzte geflohen seien.
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