Die EU-Kommission verhandelt derzeit ein Freihandelsabkommen mit den
südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und
Uruguay. Mehr als 600 europäische WissenschaftlerInnen haben Ende April
2019 im Fachjournal "Science" einen offenen Brief an die EU
veröffentlicht. Sie fordern, bei den Verhandlungen auch Umwelt- und
Menschenrechtsaspekte in Brasilien zu berücksichtigen, um die Abholzung
des brasilianischen Regenwaldes und die Vertreibung der indigenen
Bevölkerung zu minimieren.
Die EU ist - gemessen am
Bruttonationalprodukt - die global größte Wirtschaftsmacht und einer der
weltweit führenden Importeure von Agrargütern. Der sogenannte
Land-Fußabdruck der EU wird auf sechs Millionen Quadratkilometer pro
Jahr geschätzt. Der Land-Fußabdruck bezeichnet die gesamte Landfläche,
die benötigt wird, um den Verbrauch an Gütern und Dienstleistungen zu
befriedigen. Das heißt: Die EU nimmt pro Jahr weltweit eine Fläche in
Anspruch, die eineinhalb Mal so groß ist wie der Europäische Kontinent
selbst. Die EU ist mitverantwortlich für die großflächige Abholzung in
Brasilien, heißt es in dem offenen Brief: "Wir wollen, dass die EU
aufhört, Entwaldung zu importieren, und stattdessen weltweit führend im
Bereich des nachhaltigen Handels wird", sagte die Leitautorin Laura
Kehoe von der Universität Oxford: "Wir schützen Wälder und
Menschenrechte zu Hause, warum haben wir bei Importen andere Regeln?"
Wie
lassen sich globale Handelsbeziehungen möglichst nachhaltig gestalten?
Welche politischen und ökonomischen Instrumente können negative
Umwelteffekte des globalen Handels minimieren? Welche Auswirkungen hat
die globale Verbreitung von Pflanzen- und Tierarten durch den Handel auf
das ökologische Gleichgewicht? Über diese Fragen diskutiert Natasa
Konopitzky mit dem Ökologen und Biodiversitätsforscher Franz Essl von
der Universität Wien und der Umweltökonomin Angela Köppl vom
Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung.
Ö1
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