Robert Rauhut spricht in dieser 13-teiligen Serie mit dem Historiker Professor David Engels über das Christsein in einer zivilisatorischen Endzeit. Vieles in Europa erinnert an Krisensymptome der ausgehenden Römischen Republik. Entscheidend für die Zukunft ist die Rückbesinnung auf Transzendenz.
5. Folge Bevölkerungsschwund und Familienzerfall - im Hellenismus und heute
Der Vergleich zwischen dem antiken Hellenismus bzw. der späten Römischen Republik und der Gegenwart – oft thematisiert in geschichtsphilosophischen Werken wie denen des Historikers David Engels (etwa in Auf dem Weg ins Imperium?) – sieht Parallelen in sinkenden Geburtenraten, Individualisierung, Globalisierung und dem Wandel traditioneller Bindungen. Ähnlich wie damals in den mediterranen Großreichen führt der Verlust kollektiver Identitäten und stabiler Familienstrukturen zu gesellschaftlicher Instabilität und der Sehnsucht nach starker staatlicher Lenkung.
Parallelen zwischen Antike und Moderne
Geburtenrückgang (Olbos): Im hellenistischen Griechenland und der späten römischen Republik sank die Zahl der Nachkommen in den Oberschichten und der einheimischen Bevölkerung drastisch, da Kinder oft als wirtschaftliche Last oder Einschränkung des persönlichen Luxus empfunden wurden. Heute zeigen europäische Demografiestatistiken ähnlich niedrige Geburtenraten.
Erosion der Familie: Die Kernfamilie als kleinste, solidarische Keimzelle des Staates verliert an Bedeutung. Höhere Scheidungsraten, spätere oder ausbleibende Eheschließungen und alternative Lebensformen schwächen den generationenübergreifenden Zusammenhalt. [1]
Globalisierung und Entwurzelung: Der Übergang von überschaubaren Bürgergemeinschaften zu anonymen Großräumen führt zu Orientierungslosigkeit. Der Mensch flüchtet sich in Materialismus oder ins rein Private, während die kollektive Identität schwindet. [1]
Folgen für das Gemeinwesen: Demografische Lücken wurden in der Antike durch Zuwanderung oder Sklavenhaltung ausgeglichen, was die soziale und kulturelle Homogenität veränderte. Historiker warnen vor einem schleichenden Systemwandel hin zu autoritär regierten, post-demokratischen Großeinheiten („Imperien“), die den Mangel an innerem Zusammenhalt durch Verwaltung und Macht ausgleichen. [1]
Unterschiede und Kritik am Vergleich
Wohlstand vs. Not: Der antike Bevölkerungsschwund in den Städten ging oft mit sozialer Polarisierung und Verarmung einher, während der moderne Rückgang eher in hochkomplexen Wohlstandsgesellschaften durch veränderte Lebensentwürfe (Selbstverwirklichung, Karriere) entsteht.
Technischer Fortschritt: Moderne Staaten verfügen über Renten- und Gesundheitssysteme, die den Mangel an familiärer Absicherung im Alter zumindest teilweise abfedern können – auch wenn diese Systeme unter dem demografischen Wandel ächzen.
Auf dem Weg ins Imperium -
David Engels
https://ewtn.de/mediathek/production/auf-dem-weg-ins-imperium-david-engels
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