Der Soziologe Hans Joas
"Wir leben in einer Welt, in der vielen Religion und damit auch der
christliche Glaube als etwas Rückständiges erscheint. Das finde ich
ungerecht gegenüber sehr vielen Gläubigen. Ich will zeigen, dass das
Vorurteile sind. Man kann gleichzeitig ein kluger Zeitgenosse sein und
ein gläubiger Christ." Das sagte der renommierte Berliner Soziologe Hans
Joas in einem Interview mit der "Zeit". Hans Joas wurde in München
geboren. Der heute 70-jährige Wissenschaftler gilt als einer der
profiliertesten deutschen Soziologen und Sozialphilosophen, er forscht
und lehrt an der Humboldt-Universität in Berlin. Seinen soziologischen
Forschungen zufolge, haben selbst Menschen, die einen Gottesglauben
ablehnen, einen Hang zur sakralen Verehrung. Auch in großen politischen
Bewegungen, wie etwa im Kommunismus, wurden beispielsweise die Rote
Fahne oder aber auch der einbalsamierte Leichnam Lenins kultisch
verehrt. Und liberale Humanisten sind überzeugt davon, dass die Würde
des Menschen unantastbar ist und bestehen daher auf der Sakralität jeder
Person. Nach Joas' Überzeugung kennt jeder Mensch das Heilige, auch
wenn er gar nicht religiös ist. Menschen gelangen in intensiven
Erlebnissen zur Erfahrung, aus dem Alltag oder den bisherigen Grenzen
der Person herausgerissen zu werden, durch etwas, das sie tief in ihrem
Kern berührt. Was ist Menschen heute noch heilig? Und: Was glaubt Hans
Joas selbst?
Ö1
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