6.12.11

 

Stille Zeit?


Die Erfahrung des Verlustes der Harmonie mit sich selbst,
mit den Mitmenschen,
der Umwelt
und mit dem Schöpfer
macht den Menschen in der Vorweihnachtszeit
verstärkt zum ‚Stimmungssucher‘.

Als Kontrastprogramm zur Hektik der Zeit
suchen wir an diesem Wochenende
nach Antworten auf unsere Sehnsucht nach Harmonie,
nach Sein in Allem.

Mystiker, Wüstenväter und andere große spirituelle Lehrer
verweisen seit alter Zeit auf einen Weg durch die eigene Wüste,
in die Stille,
in das eigene Innere.

Hier wird Gotteserfahrung möglich.


Do, 8., 17.00 Uhr bis So, 11. Dezember, 13.00 Uhr

Stift St. Lambrecht

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21.12.09

 

Stille aushalten

Die Stille,
das was wir oft zu vermeiden suchen,
das was wir oft als unangenehm empfinden,
das was uns manchmal in Verlegenheit versetzt,
ist gerade der Ort, an dem Gott uns erreichen will,
an dem Er sich uns zeigen will,
an dem Er uns ansprechen will.

In der Stille,
wo alles Wichtige seinen Anfang findet,
wartet Gott auf uns,
als ob Er ohne uns nichts Neues anfangen wollte.

„Schon so vieles habe ich ohne dich und für dich gemacht“,
spricht Gott,
„schau dich nur um.
Jetzt will ich etwas Neues machen,
und das ist nur zusammen mit dir möglich.“

Eine von göttlicher Erwartung erfüllte Stille bietet uns die eucharistische Anbetung an.

Jede Woche findet sie am Dienstagabend in unserer Pfarre statt.

Einige Menschen sitzen in unserer großen Kirche verteilt,
alles ist still,
die Monstranz leuchtet auf dem Altar.

Wenn ich Platz nehme,
wirkt zuerst die äußere Stille als beunruhigend und aufregend,
viele Gedanken kommen in den Sinn,
unterschiedliche Regungen versuchen, mich abzulenken,
Probleme wollen gleich gelöst werden,
Fragen dringend beantwortet werden,
Aufgaben sofort erledigt werden.

Langsam aber fange ich an,
nicht vor Gott zu denken,
sondern mit Ihm zu reden.

Es dauert nicht lange,
und bald wird mir klar:
Nicht durch meine Gedanken und Sorgen,
die groß und wichtig zu sein scheinen,
sondern durch etwas unendlich Kleines und Einfaches
teilt sich die unendliche Größe Gottes mit.

Als ob Er uns dadurch den letzten Platz hätte nehmen wollen,
worauf wir unseren letzten Widerstand hätten bauen können.

Ein Stück Brot.
Das ist Gott.

Ich befinde mich vor Ihm.
Da bleibt nur noch Platz für das Staunen.

Es ist dieses Staunen,
das unser Herz wieder beleben und aufrichten kann.
Es macht es „hör- und sehfähig für die unmerklichen Zeichen,
die Gott in die Welt hinein sendet
und die so die Diktatur des Gewöhnlichen zerbrechen“.

Man fängt an, von Gott her zu sehen und zu leben,
oder besser gesagt, mit Gott zu sehen und zu hören.

P. Giovanni Micco, Pfarrer von Dornbach

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5.12.07

 

Advent

Auch wenn viele Menschen die Stille kaum aushalten können,
ist eine besinnliche Zeit sehr wohltuend,
da der Lärm gedämpft wird und die innere Aufmerksamkeit wächst.

Der äußere Lärm - der uns manchmal nicht mehr auffällt -
wird verursacht durch laute Musik, schreiende Stimmen, fahrende Autos oder Überflutung von Propaganda,
während der innere eher Ausdruck von Unfrieden, Unruhe und Mangel an Wahrheit sein könnte.

Die Zeit vor Weihnachten will für uns Christen eine Phase der Vorbereitung auf die Geburt Jesu sein,
damit wir im Herzen still werden und das Wort Gottes - das in ihm Fleisch geworden ist - besser aufnehmen können.

Das Schicksal des WORTES wird in der Bibel angedeutet:
Es schreit nicht und lärmt nicht.
Nein, es sucht keine Events und große Veranstaltungen,
sondern Menschen, die inmitten der Aufgaben und Verpflichtungen des Lebens ein offenes Ohr für ihn haben.
Parolen und Werbespots sind laut,
das Wort des Lebens ist leise.

Die Werbung will von unseren Augen und Sinnen registriert werden,
das Wort des Lebens kann nur mit dem Herzen aufgenommmen werden.

Dieses Wort sucht nicht die Sensation, sondern die Verwandlung des Menschen.
Jesus ist das Wort, das Gott zu uns gesprochen hat und immer wieder zu uns spricht.
Es kann einen Rahmen in mir schaffen, in dem das Wort einen offenen Weg bis zum tiefsten Kern meines Herzens findet.

Wir wollen das Wort Gottes in uns aufnehmen!


Es wird berichtet, daß Jesus uns Gottes Zuwendung und Barmherzigkeit sichtbar macht.
Er ist Gottes Mitteilung an uns und offenbart Gottes Wege und Pläne,
Gottes unendliche Liebe und väterliche Fürsorge uns Menschen gegenüber.


Gottes Wort ist uns gegeben,
doch dieses Wort ist wie die Saat, die zur Erde fällt.
Wenn der Boden vorher nicht rechtzeitig aufbereitet wurde
- umgeackert und gereinigt von Unkraut -
kann die Saat weder keimen noch Wurzeln schlagen.

Gottes Wort ist uns gegeben,
ich aber darf meinen Beitrag zum Wachstum und zur Entfaltung nicht übersehen.


Aus: Karmelfreunde Dez 2007

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30.10.07

 

In der Stille zu sich selbst finden

Immer wieder haben sich in der Kirchengeschichte Menschen zurückgezogen, um sich zu sammeln. Viele zieht es zumindest zeitweise an solche stillen Orte. Aber Stille ist vor allem eine Sache des Herzens, die vom äußeren Rahmen nicht unbedingt abhängt. Wer sie gefunden hat, wird nicht mehr von allen möglichen Reizen hin- und hergerissen. Wer diese aufmerksame Ruhe kennt, fühlt sich auch nicht mehr leer und einsam.
Aber meistens schwanken wir zwischen diesen Polen von Einsamkeit und gefasster Stille. Und das innere Gleichgewicht können wir nur bedingt beeinflussen. Alles spirituelle Leben beginnt mit dieser Achtsamkeit, mit der wir auf die Stimmen aus uns selbst hören. Oft gehen wir mit unseren Fragen ratsuchend zu anderen, um Antworten zu bekommen. Aber manchmal müssen wir lernen, erst einmal uns selbst wirklich wahrzunehmen und unsere tiefsten Wünsche und Sehnsüchte richtig kennen zu lernen.
In der Verwandlung von Einsamkeit in Stille beginnen wir, die Stimme unserer Berufung zu hören. Unsere Fragen, Anliegen und Probleme müssen diesem Test ausgesetzt werden, um zu reifen.

Die Bewegung von Einsamkeit zur Stille stellt keinen Rückzug von den drängenden Fragen unserer Zeit dar. Sie erlaubt es, unser ängstliches Reagieren in eine liebende Antwort umzuformen. So lange wir auf der Flucht vor unserer Einsamkeit sind, bleiben wir abhängig von der Aufmerksamkeit anderer, die unsere Welt zum Götzen macht. Viele unserer Aktivitäten sind nur Reaktionen auf ein launisches, sich ständig veränderndes Umfeld und wachsen nicht aus unserem Innersten heraus. Dort reift in der Stille und im geduldigen Hören auf unsere Welt eine Antwort.

Barmherzigkeit, die in der Stille geboren wurde, macht uns unsere Geschichtlichkeit bewusst. Die aktuellen Manifestationen des Bösen und des Todes sind keine lästigen Unterbrechungen mehr, sondern ein Ruf zur eigenen Umkehr und zur Veränderung der Herzen, so dass sie eine unerschöpfliche Quelle von Großzügigkeit, Hoffnung und neuem Leben werden.


Henry Nouwen - Reaching Out

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