24.10.13

 

Die Große Reise

"Die Große Reise" – ein Film über das Loslassen

Viele Frauenorden in Österreich stehen vor der Frage: Welche Häuser schließen wir? Die Präsidentin der Frauenorden Österreichs, Beatrix Mayerhofer fragt: "Ist das traditionelle Ordensleben zukunftsfähig?"

"Der Film war für mich ein sehr bewegendes Erlebnis!", sagt die Präsidentin der Frauenorden Österreichs, Schwester Beatrix Mayerhofer, nach der Vorpremiere des Dokumentarfilms "Die Große Reise". Regisseur Helmut Manniger zeigt darin das Schicksal der Franziskanerinnen des Annunziataklosters "Stein" in Niederösterreich. Erst vor ein paar Jahren haben die Schwestern das 100-jährige Jubiläum ihres Hauses gefeiert – 2011 wurde das Kloster zugesperrt. "Die Große Reise" gibt Einblick in den Prozess des Loslassens und Abschiednehmens von Schwestern, die ihre geliebte Heimat aufgeben müssen.

Filmstart in den österreichischen Kinos ist am Freitag, 18. Oktober 2013.

Im Interview mit Radio Stephansdom sagt Schwester Beatrix Mayerhofer: "Ich bewundere die Bereitschaft der Schwestern sich filmisch begleiten zu lassen. Ich habe großen Respekt vor der Ordensleitung, den Film zuzulassen. Aber schon die Entscheidung zu treffen, das Kloster aufzulassen, stelle ich mir ungemein schwierig vor." Mit Feinfühligkeit stelle der Film den Weg mit den Schwestern dar, die zum Teil Widerstand zeigen, und schließlich bereit werden, die Entscheidung der Ordensleitung anzunehmen.

Abschied vom traditionellen Ordensleben

Der Film "Die Große Reise" werfe die Frage auf: "Wie geht es mit dem Ordensleben in unserer Gesellschaft weiter?", so Schwester Mayerhofer. Es sei ein symbolischer Film für den Abschied von einer bestimmten Form des Ordenslebens. Dazu gehöre "das traditionelle Gemeinschaftsleben mit Gebet, Beichte, geistlichem Leben und mit den traditionellen Sprachmustern, in denen man über Entscheidungen und über den Willen Gottes spricht." Das Schöne an dem Film sei, dass die Schwestern die traditionellen Formulierungen tatsächlich verinnerlicht haben. Doch diese Form sei für die für die "Zukunft für unsere Gesellschaft sicher keine Art und Weise als Gemeinschaft zu leben", betont Mayerhofer. Bei jüngeren Ordensmitgliedern gäbe es heute schon ein viel stärkeres Einbinden in Entscheidungen, ein Miteinander-Suchen, ein gemeinsames Fragen nach dem ursprünglichen Auftrag des Ordens.

"Alterstruktur in Österreich ist dramatisch"

Ähnlich wie in "Die Große Reise" stehen viele Frauenorden in Österreich vor der Frage: "Welche Häuser schließen wir? Wie können wir die Schwestern versorgen? Wir können wir uns um die Pflegebedürftigen und Demenzkranken kümmern", erzählt Mayerhofer. Die Situation der Altersstruktur der Ordensfrauen sei "dramatisch", viele seien über 75 Jahre alt.
Wenn Ordenshäuser geschlossen werden, könne nicht immer ermöglicht werden, dass die Schwestern als Gemeinschaft zusammenbleiben: "Einige Schwestern brauchen medizinische Betreuung, einige brauchen Intensivpflege." Zudem stelle sich ein großes finanzielles Problem.

"Zusperren" oder "Vollenden"

Wenn ein Kloster aufgelassen werden muss, sollte der Prozess gut begleitet werden, betont Schwester Mayerhofer. Dabei könne man von den Orden in den Niederlanden lernen, die ein eigenes Sekretariat zur Begleitung dieses Prozesses eingerichtet hätten, berichtet Mayerhofer: "Der Prozess wird dort 'Vollenden' genannt, man spricht nicht von 'Zusperren'." Dahinter stehe die Überzeugung, dass das Leben als Ordensfrau ein Auftrag von Gott ist, der an einem bestimmten Punkt – sowohl für den einzelnen, als auch für die Gemeinschaft – zu einem Ende kommt: "Das ist ein Vollenden in den großen Plan der Liebe, den Gott mit uns hat".

http://www.erzdioezese-wien.at/site/home/nachrichten/article/32309.html

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