3.3.19

 

Selbstliebe und Selbstsabotage

Selbstfürsorge will gelernt sein. Beruflicher Stress und familiäre Verpflichtungen bewirken, dass die Aufmerksamkeit den eigenen Bedürfnissen gegenüber oft zu kurz kommt. Um ein ausgeglichenes Leben führen zu können, braucht es ein Stück gesunde Selbstliebe. Den Grundstein dafür legt die frühkindliche Beziehung zu Mutter und Vater. Denn Kinder, die geliebt, wahrgenommen und deren Bedürfnisse beantwortet werden, sind fähig, sich und andere zu lieben.

Kinder brauchen aber auch Wegweiser durch den Dschungel des Lebens. Damit lernen sie, sich frei zu bewegen. Fällt diese Zuwendung aus und werden sie alleine gelassen, stürzt sie das in Krisen. Narzisstische Größenphantasien sollen nun die innere Leere füllen. Sie brechen innerlich den Kontakt zu ihren Mitmenschen ab und kreisen nur um sich selbst. Menschen wiederum, die an einer Borderline Störung leiden, spalten ihre Mitmenschen nach Kriterien wie gut oder böse. Ambivalenzen können sie nicht ertragen.

Dieses schwarz - weiß Denken übertragen sie auf sich und den eigenen Körper. Die Folgen sind oft selbstverletzendes Verhalten, Sucht oder Suizidgedanken. Es gibt aber auch eine Form der Selbstsabotage, die zum inneren Wegweiser wird. Dazu gehören die zahlreichen Fehlleistungen, die den Alltag begleiten. Wenn die Stimme im Teamgespräch versagt, der Autoschlüssel nicht mehr aufzufinden ist, wenn man zu einem Vorstellungsgespräch muss und die Telefonnummer der Freundin wählt statt die des Bankberaters, dann erzählen diese Handlungen über versteckte Wünsche. Diesen Bedürfnissen nachzuspüren hilft, für sich selber Sorge zu tragen.

Ö1

LITERATUR:
Ela Angerer, "Und die Nacht prahlt mit Kometen" Aufbau Verlag 2016

Brigitte Biermann, "Engel haben keinen Hunger. Katrin L. Die Geschichte einer Magersucht." Gulliver 2008

Brigitte Blobel, "Rote Linien. Ritzen bis aufs Blut" Arena Taschenbuch 2013

Otto F. Kernberg, "Narzissmus, Aggression und Selbstzerstörung. Fortschritte in der Diagnose und Behandlung schwerer Persönlichkeitsstörungen." Klett-Cotta 2006

Luise Reddemann, "Imagination als heilsame Kraft. Ressourcen und Mitgefühl in der Behandlung von Traumafolgen." Klett-Cotta 2017

Günter Reich, Antje von Boetticher, "Hungern um zu leben - die Paradoxie der Magersucht" Psychosozial - Verlag 2017

Richard Schuberth, "Narzissmus und Konformität. Selbstliebe als Illusion und Befreiung." MSM Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft 2018

LINKS:
Wiener Kreis für Psychoanalyse und Selbstpsychologie
Institut für Systemische Therapie
Kinderschutzzentrum
Was kann psychoanalytische Theorie zur Erklärung des Massenphänomens der neuen Rechten beitragen?

Comments: Kommentar veröffentlichen

<< Home

This page is powered by Blogger. Isn't yours?