25.4.16

 

Die Kraft der Introvertierten

Grelle Lichter, blinkende Schautafeln, rasch wechselnde Tableaus: Im Alltag der Städte führt die Fahrt mit dem Auto entlang von Werbemeilen. Aber auch in U-Bahnstationen und in den Straßenbahnen entkommen Passagier/innen nicht den Informations- und Unterhaltungskanälen der Anbieter. Menschen sind hier einer permanenten Reizüberflutung ausgesetzt. Schwierig für manche Extrovertierte. Ein Gräuel für die Introvertierten. Laut, grell und hektisch versetzt sie in Panik. Sie fühlen sich am lebendigsten, am fähigsten und am kreativsten in einer ruhigen, gemäßigten Umgebung.
Rund ein Drittel der Menschen zählen dazu. Neurobiologisch reagieren sie auf Stimulationen mit einer verstärkten Produktion von Acetylcholin, ein Botenstoff, der die Fähigkeit verstärkt, sich zu konzentrieren. Extrovertierte produzieren mehr vom glücksversprechenden Dopamin. Vorwiegend nach deren Bedürfnissen sind Arbeitswelt und Freizeitvergnügen in der modernen westlichen Welt ausgerichtet. Gearbeitet wird in Großraumbüros und im Team. Via Handy und Internet ist jeder mit jedem permanent in Kontakt. Doch was die einen beschwingt, löst bei den anderen Stress aus. Der ununterbrochene Austausch von Gedanken steigert aber nicht die Kreativität.

Untersuchungen zeigen, dass in Gruppen rasch die Meinung einzelner dominiert. Die anderen ziehen sich zurück, passen sich an, schweigen. Diversität im Denken braucht Nischen und Rückzugsorte für die Stillen, wo sie ihre Ideen entwickeln und dann kommunizieren können. Ohne sie wäre die Welt um vieles ärmer. Künstler wie Frederic Chopin und Wissenschafter wie Albert Einstein zählen dazu. Die US-Amerikanische Autorin Susan Cain ermutigt leise Menschen dazu, ihre Eigenart zu erkennen und anzunehmen. Denn: in der Stille liegt die Kraft.

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