7.7.16

 

Leistung ist mehr als 'Arbeit durch Zeit'

Im Mai hat ein großer österreichischer Pädagoge seinen 80. Geburtstag gefeiert. Der Wiener Erziehungswissenschaftler Univ.-Prof. Richard Olechowski hat den Begriff der "humanen Schule" geprägt, in der die beste Leistung, ich zitiere "durch Personalisieren und Individualisieren" erreicht werde. Heute wird genau das den Schulen immer schwerer gemacht. Nicht die heterogenen Klassen sind dafür verantwortlich, dafür gibt es gute pädagogische Konzepte, der wahre Grund ist: Lehrer und Lehrerinnen kommen immer weniger dazu zu unterrichten. Sie testen, testen, testen und dokumentieren und evaluieren. Und archivieren dann, was sie vorher getestet und dokumentiert und evaluiert haben.

Dazu ein paar treffliche Sätze des Schriftstellers Egyd Gstättner: "Ich bin eines der letzten Lebewesen auf diesem Planeten ohne Qualitätsmanagement - und das mit voller Absicht. Ich evaluiere nicht, und ich sitze auch niemals in Sitzungen oder Konferenzen. Alle Menschen, die ich kenne und die das tun müssen, jammern mir vor, wie unglücklich sie das macht. (…)Vor lauter Tätigkeitsbeschreibungen kommen die Menschen nicht mehr zu Tätigkeiten, geschweige denn zur Tat. Vor lauter Evaluieren und Dokumentieren kommen die Pflegerinnen und Pfleger nicht mehr zum Pflegen, die Lehrer nicht mehr zum Lehren, die Ärzte nicht mehr zum Behandeln, die Wissenschaftler nicht mehr zum Forschen. Die Katholiken nicht mehr zur Nächstenliebe, die Sozialisten nicht mehr zum Sozialsein. (…) All diese stumpfsinnigen (Kompetenzsicherungs-)Listen und (Qualitätssicherungs-) Fragebögen (…). Noch nie war in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens so oft und so penetrant von ,Qualität' und ,Kompetenz' die Rede, während Qualität und Kompetenz überall dramatisch nachlassen! (…)"

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