19.6.17

 

Was bringen Revolutionen?


Zur Anatomie gewaltsamer Umstürze 


Vor 100 Jahren fegte die Oktoberrevolution in Russland die alte bürgerlich-feudale Ordnung hinweg. Was als gewaltsamer Aufbruch in eine neue, angeblich gerechtere Gesellschaftsordnung begann, endete in einer monströsen Despotie. Der Stalinsche Terror forderte - zumindest - drei Millionen Tote. Zuvor war bereits der russische Bürgerkrieg in eine beispiellose Orgie der Gewalt ausgeartet: "Überall löste Gewalt sich von den Zwecken, die sie erfüllen sollte", analysiert der Berliner Historiker Jörg Baberowski. 

Einer der Gründe: "Niemand, der tötete und folterte, musste während des Russischen Bürgerkriegs damit rechnen, bestraft zu werden. Die Opfer wurden in siedendes Wasser geworfen, gehäutet, gepfählt, bei lebendigem Leib verbrannt, begraben oder in winterlicher Kälte nackt auf die Straße getrieben und mit Wasser übergossen".

Die maßlose Eskalation von Mordlust und Gewalt - ist sie eine zwangsläufige Folge von Revolutionen? 

Das ist eine der Fragen, die die Geschichtswissenschaft auch hundert Jahre nach dem Leninschen Staasstreich umtreibt. Andere Fragestellungen, die in der Scientific Community diskutiert werden: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit es zu "revolutionäre Situationen" kommt? Gibt es so etwas wie eine typische Verlaufsformen von Revolutionen? Und warum münden gewalttätige Umstürze so oft in Terror und Gewalt, wo sie den Menschen doch eigentlich Freiheit und Selbstbestimmung bringen wollten?

 

LITERATUR:
Gero von Randow: "Wenn das Volk sich erhebt - Schönheit und Schrecken der Revolution", Kiepenheuer und Witsch, Köln, 314 Seiten, ISBN: 9783462048766

Hanna Arendt: "Über die Revolution", Piper, München, 432 Seiten, IBSN: 9783492264778
Verena Moritz: "1917 - Österreichische Stimmen zur Russischen Revolution", Residenz-Verlag, Salzburg, 288 Seiten, ISBN: 9783701745517

Jörg Baberowski: "Räume der Gewalt", S. Fischer, Frankfurt am Main, 272 Seiten, ISBN: 9783100048189


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